.... Da sagte Simon Petrus zu ihnen: "Ich gehe fischen" Die andern sagten, sie wollten mit ihm gehen. So gingen sie denn hinaus ans Gestade und stiegen ins Boot. Ihr Fischfang war jedoch in dieser Nacht ergebnislos. Bei Tagesgrauen stand Jesus am Ufer. Die Jünger wußten freilich nicht, daß es Jesus war. Jesus redete sie mit den Worten an: "Kinder, habt ihr nicht einige Fische als Zukost?" — "Nein!" — ant- worteten sie. "So werfet das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus!" — entgegnete er — "Dann werdet ihr einen Fang tun!" Sie warfen das Netz aus und vermochten es wegen der Menge der gefangenen Fische nicht mehr aus dem Wasser hochzuziehen. Da sagte der Jünger, den lesus sehr liebte, zu Petrus: "Es ist der Herr!" Als Simon Petrus hörte, es sei der Herr, warf er schnell sein Obergewand über, legte den Gürtel an — er war vorher nämlich nur im Unterkleid — und sprang ins Meer. Die andern Jünger kamen mit dem Boote nach; denn die Entfernung vom Lande war nicht groß; sie betrug etwa zweihundert Ellen.

 


 

Liebe Mitchristen,

In dieser Überlieferung war es das dritte Mal, dass sich der Gottessohn nach seinem Kreuzestod seinen Jüngern leibhaftig zeigte. Nicht nur, dass er damit seinen Getreuen seine Nähe anzeigte - und zwar so, dass sie sie nicht leugnen konnten, denn sie sahen ihn ja, sondern er erteilte auf diesem Wege Belehrungen; die notwendig waren und stärkte gleichzeitig das Vertrauen in ihn.Petrus war bekanntlich Fischer von Beruf, Profi, und als solcher begleiteten ihn einige andere aus dem christlichen Freundeskreis, als er angab: "Ich gehe fischen." Leider verlief ihre nächtliche Fischerpartie ergebnislos! Als sie zurückgerudert waren, stand Jesus im Morgengrauen am Ufer. Sie er­kannten ihn nicht. Wie oft mag es uns geschehen, dass wir einem scheinbar fremden Menschen gegenüberstehen und dieser uns mit einer Bitte anspricht?! Doch was die meisten Menschen in weit höherem Maße als zu vertrauen gelernt haben, ist zu mißtrauen! Demnach würden wir eher kritisch reagieren, zumal dann, wenn dieser Fremde auch noch etwas von uns möchte! "Trau schau wem!", das ja, aber: schau !

Könnte irgendjemand von uns behaupten genau zu wissen, dass der Himmel noch nie für eine Be­gegnung gesorgt hat? Was wissen wir denn, wie fein manche Prüfungen und Herausforderungen eingefädelt sind. Und was wissen wir denn, wie und wann sich Wege kreuzen, gefügt vom lieben Gott! Seien wir also auf der Hut,   und wenn jemand das Gespräch mit uns sucht, ist es ratsam zuzuhören. Es könnte eine "Schicksalsbegegnung" sein, etwas, was uns genau in dem weiterhilft, worin wir mit unseren Möglichkeiten -nicht weitergekommen sind. Vielleicht hören wir auf uns zu empören, wenn wir etwas nicht verstehen, uns die eine oder andere Bitte seltsam erscheint. "Kinder, habt ihr nicht einige Fische als Zubrot?" will der Mann wissen. Geschähe uns dies, könnten wir mit Verständnislosigkeit, ja sogar mit einer gewissen Empörung reagieren: Da hat man selbst nichts gefangen, was eh für eine gewissen Frustration sorgt und nicht gerade heiter stimmt, und da will dieser Mensch für sich ein Zubrot?!Wer weiß, womöglich fühlten oder dachten die Jünger so, was durchaus menschlich wäre. Doch sie antworten in einer Höflichkeit knapp: "Nein!" Freilich, im Nachherein lässt sich leicht erkennen, dass in diesem Vorgang die Freigiebigkeit angesprochen ist, gleichzeitig der anständige Umgang mit einem Fremden.Ebenso ungewöhnlich wie diese Begegnung, ist des Fremden Empfehlung, die einer präzisen Aufforderung gleichkommt: "So werfet das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus!11Bitte nicht vergessen: Dieser Rat wird einem Fachmann; einem Fischer dem Petrus gegeben.Ach schon wieder könnten wir uns an seiner statt aufregen: Glaubt der denn, wir seien zu dumm, zu ungeschickt? Wenn keine Fische da sind, kann man auch nichts fangen. Basta! Wozu also noch weitere Mühen, nach einer ergebnislo­sen Nacht, zumal wir müde sind. So oder ähnlich würden doch die meisten denken, oder?"Dann werdet ihr einen Fang tun!"Gewiß, wir waren nicht Zeugen dieses Vorgangs, und doch können wir uns vorstellen, mit welcher Sicherheit und Überzeugung Jesus gesprochen haben muß. Auch wenn es widersinnig erscheint, man fühlt geradezu die Dringlich­keit und Wichtigkeit den Rat anzunehmen. Wie oft mag in uns diese Stimme gesprochen und uns geraten haben, dies oder jenes zu tun oder zu lassen?! Wenn wir uns allerdings mit all dem Alltagskram, zum Beispiel mit dem täglichen Informationsmüll und Weltgeklage zugemauert haben, dann dringen auch die Worte eines Jesus nicht durch und wir handeln ganz anders dem, was richtig wäre...Drei markante Lehren entnehmen wir bis dahin dem Text:Nichts für unmöglich halten, weil dieses "es geht nicht" unseren bisherigen Erfahrungen entspricht. Lernen wir doch dazu und lassen uns überraschen! Was nicht gegen gute Sitte und Moral verstößt aber ungewöhnlich ist als Ratschlag, lohnt womöglich umgesetzt zu werden, auch wenn uns nicht danach ist und wir müde sind.Bei aller Vorsicht kann es nicht verkehrt sein, sich wieder auf Vertrauen dann einzustellen, wenn in einem nichts dagegen spricht. Je größer die Ordnung in uns ist, je tugendhafter unsere Lebensführung, je stärker der gute Wille, desto leichter wird es uns fallen uns für das Richtige zu entscheiden. Das haben die Jünger getan und "sie warfen ihr Netz aus."Das Ergebnis können wir nachlesen: ein Riesenerfolg! Und zwar weil sie exakt das befolgt haben, was Jesus ihnen riet.Der Diener, die Dienerin, sie kennen ihren Herrn, also erkennen sie ihn! Ich vertrete nicht nur die Meinung, liebe Mitchristen, sondern ich weiß es aus eigener Erfahrung: Wenn wir uns dem Herrn öffnen, unsere Liebe und Treue ihm zuwenden, uns die Zeit und Ruhe nehmen zu erforschen, was er, der Herr uns zu sagen hat, dann erkennen wir ihn nicht nur an dem, was an Wunderbarem geschieht, sondern er versteht es seine Nähe zu vermitteln. Wendet euch aus ganzem Herzen dem Herrn zu - und lasst euch überraschen...Sofort, nachdem Petrus gehört hatte dass es der Herr war, "legte er den Gürtel an - er war vorher nämlich nur im Unterkleid - und sprang ins Meer.Nicht nur, dass er die Netze wohl raffen wollte um den Fang einzuholen; er machte sich des Herrn würdig und zog sich deshalb, als Zeichen dafür, vollständig an. Es ist auch symbolisch nicht egal, wie und in welchem Zustand wir mit dem Herrn sind.Ca. neunzig Meter, was etwa zweihundert ELlen entspricht, sind nicht wenig im Wasser. Doch Petrus hatte ja sogar das Wasser beim Laufen unter seinen Füßen gehabt, damals, als der Herr noch bei ihnen war. Doch der Diener ver­traute, dass sich der Herr nicht verändert hat und einem mit ihm nichts Übles geschehen kann, nichts, was der Seele schadet und nichts, was er nicht zu lösen wüsste!

 

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